Anke frägt: Spieglein, Spieglein an der Wand…was macht eigentlich Robin Hood an der Börse?

Robinhood, der Neobroker aus den USA. Inzwischen im Nasdaq gelistet, hat viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die Mission: Die Demokratisierung des Finanzmarktes. Seine Nutzer können bereits ab einem Cent Aktien erwerben. Weiterhin ist der Handel mit ETFs und Kryptowährungen möglich. Ein Geschäftsmodell, das polarisiert. Kritiker werfen der Plattform vor, ein Geschäftsgebaren wie ein Glücksspiel-Anbieter an den Tag zu legen. Ein Gespräch über finanzielle Bildung mit Christian Rump (the private office)

Christian Rump the private officeVDH: „Demokratisierung des Finanzmarktes, das klingt doch nach einem ehrbaren Ziel. Wäre das nicht auch mal eine Ansage für den deutschen Finanzmarkt?“

CR: „Ja. Vom Grundgedanken her ist das tatsächlich ein guter Ansatz. Allerdings denke ich, dass wir erst einmal die Basis schaffen müssen, damit die Menschen lernen, was Geld ist. Um dann die grundlegenden Prinzipien des Kapitalmarkts überhaupt verstehen zu können. Finanzielle Bildung ist in unserem Bildungssystem überhaupt nicht vorgesehen. Und wenn Sparkassen und Raiffeisenbanken am Weltspartag in die Schulen stürmen, dann ist das kein Bildungsauftrag, sondern wie immer in dieser Branche: Produktverkauf.“

VDH: „Die Menschen scheinen in Deutschland so konditioniert zu sein. Dass sie das Thema „Geld“ automatisch mit „Produkt“ gleichsetzen.“

CR: „Leider. Meiner Meinung nach darf Beratung nicht mit Produktverkauf gekoppelt sein. Weil wir hier einen Interessenskonflikt haben. Der Provisionsverkäufer verdient ausschließlich am Verkauf. Und das Kundenbedürfnis wird dann gerne mal dem eigenen Umsatz geopfert. Aber: Es sind halt gute Verkäufer. Und der Kunde glaubt, was er glauben will. Egal, ob es der Realität entspricht, oder es sich nur um schöne Versprechungen handelt.“

VDH: „Haben Sie ein Beispiel aus der Praxis dazu?“

CR: „Jeden Tag mehrere. Aktuell ein Versicherungsportfolio im sechsstelligen Bereich. Die Verträge laufen bereits mehrere Jahrzehnte. Spiegelt sich leider nicht in der Rendite wider. Die Guthaben entsprechen heute gerade mal den eingezahlten Beiträgen. Von Rendite ist hier nichts zu sehen. Trotz Garantiezinsen von durchschnittlich 4%.“

VDH: „Woran liegt das, Ihrer Meinung nach?“

CR: „Es werden Produkte verkauft, die längst nicht mehr der Zeit entsprechen. Die Lebensläufe der Menschen haben sich in den letzten Jahren drastisch geändert. Nur die Produkt-Dinosaurier, wie Bausparer und Lebensversicherungen, gibt es immer noch. Und die alten Vertriebsstrukturen ebenso. Vielleicht mit dem ein oder anderen neuen Anstrich und etwas mehr Flexibilität. Das Grundprinzip ist immer noch das gleiche: Verkaufen, verkaufen, verkaufen. Und solange die Menschen in den alten Denkmustern und Glaubenssätzen stecken bleiben, werden die Produkt-Dinosaurier und Provisionsverkäufer weiterhin Abnehmer finden.“

VDH: „Wie vermitteln Sie Ihren Kunden Ihren Denk- und Strategieansatz, also die strikte Trennung von Beratung und Produkt?“

CR: „Mit einer einzigen Frage. Die stelle ich, nachdem wir die Strategie durchgesprochen haben. Und die lautet: „Was denken Sie, wer oder was kann Ihre Strategie zum einstürzen bringen?“ Die Antworten lauten dann meistens „politische Verwerfungen“ oder „Börsencrash“.

VDH: „Das scheinen wohl nicht die richtigen Antworten auf Ihre Frage zu sein?“

CR: „Genau. Ich gebe meinem Kunden einen Spiegel in die Hand und fordere ihn auf, in den Spiegel zu schauen. Und sage: „Jetzt sehen Sie denjenigen, der Ihre Strategie zum Einstürzen bringen kann.“

VDH: „Eine recht plakative Methode.“

CR: „Ja, und sehr hilfreich. Zu einer guten Finanz-Strategie gehört nicht nur das Durchhalten. Man muss sich auch selbst kennen, damit man sein finanzielles Ziel erreicht.“

VDH: „Zum Abschluss: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?“

CR: „Finanzielle Bildung. Und ein Bewusstsein, dass Vermögen(saufbau) nichts mit Produkten zu tun hat.“

VDH: „Herzlichen Dank für Ihre Zeit und dass Sie Ihre Gedanken mit uns geteilt haben.“

Feedback, Kritik und Anregungen gerne unter: a.schiller@vdh24.de. Kommunikation ist keine Einbahnstraße!

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