Etikettenschwindel im Namen der Wissenschaft: Honorarberatung ist der falsche Weg

27. August 2021, Bühne frei für Professor Michael Heuser, wissenschaftlicher Direktor des DIVA mit der Aussage: „Umstellung auf Honorarberatung der falsche Weg“. So zu lesen in „Versicherungswirtschaft heute“. An dieser Stelle wollen wir uns nicht mit den Aussagen in dem Artikel beschäftigen. Da gibt es nichts neues zu entdecken. Einmal Mottenkiste auf und raus mit der verstaubten Argumentation gegen die Honorarberatung. Gähn.

Viel spannender hingegen ist, aus welchem Umfeld diese Aussage stammt.

Das DIVA-Institut oder in der Langform: „Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung“ ist das Forschungsinstitut des „Bundesverbandes Deutscher Vermögensberater“. Und dieser Bundesverband kümmert sich mit Hingabe um die Vermögensberater dieser Republik. Oder besser: Um die Vermögensberater des eigenen Vier-Buchstaben-Strukturvertriebs. Ist ja erstmal nicht weiter verwerflich.

Geschäftsführender Direktor des DIVA Instituts ist Dr. Helge Lach. Dr. Lach ist gleichzeitig auch stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Vermögensberater. Und auch Vorstandsmitglied bei dem Vier-Buchstaben-Strukturvertrieb. Im wissenschaftlichen Beirat des Instituts ist Dr. Lach natürlich auch vertreten. Zusammen mit seinem Vorstandskollegen einer großen Versicherungsgesellschaft. Den Vorsitz hat ein Gründer und Geschäftsführer einer bekannten Rating-Agentur, die sich auf die Versicherungsbranche spezialisiert hat. Ein Schelm, wer hier böses denkt.

Das DIVA ist ein sogenanntes „An-Institut“ der Fachhochschule für Wirtschaft (FHDW) mit Hauptsitz in Paderborn. Zitat von der Website des DIVA-Instituts „Das Deutsche Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) ist das Forschungsinstitut des Bundesverbandes Deutscher Vermögensberater (BDV). Als „An-Institut“ der renommierten Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) mit Hauptsitz in Paderborn wird es als unabhängige wissenschaftliche Einrichtung mit hohen Standards geführt.“

Nun ja, der Begriff der „Unabhängigkeit“ scheint hier ein sehr dehnbarer zu sein.

Eine Stichprobe zur wissenschaftlichen Qualität des Instituts: Der DIVA-Index.

Zitat: „Das DIVA ermittelt zwei Indizes, nämlich den „Deutschen Geldanlage-Index“ und den „Deutschen Altersvorsorge-Index“. (…) Dabei werden vom DIVA selbst eine Stichprobe von ca. 1.000 BDV-Mitgliedern (die sog. „Expertenbefragung“) und in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut INSA eine Stichprobe von ca. 2.000 Menschen in Deutschland (die sog. „Bürgerbefragung“) im selben Zeitraum mit nahezu identischen Online-Fragebögen befragt.“

Hach, das INSA Institut. Wer sonst? Bekannt durch die Sonntagsfrage in einer sehr auflagenstarken Zeitung mit ebenfalls vier Buchstaben. Ist auch ein wenig in die Kritik geraten, unter anderem von Marktteilnehmern, die die Repräsentativität der Umfragen aufgrund der Daten bezweifeln. Kleiner Nebenschauplatz, dass der Gründer und Geschäftsführer sich im rechtskonservativen Umfeld bewegt.

Genug davon, zurück zur Wissenschaft: Schauen wir uns den „DIVAX Frühjahr 2021 – Sonderbefragung Selbständige“ an.

Kernaussage: „Mehr als die Hälfte der befragten Selbständigen konnte in der Coronakrise ihren Umsatz halten (45%) oder sogar ausbauen (7,1%).“
Interessant wird die Umfrage auf den Seiten sechs und sieben von insgesamt 12 Seiten.

Seite 6: „Haben Sie pandemiebedingt einen beruflichen Wechsel vorgenommen, oder planen Sie diesen?“

Seite 7: „Können Sie sich vorstellen, als selbständiger Finanzberater tätig zu sein?“

Suggestiv-Fragen haben in einer wissenschaftlichen Umfrage nichts zu suchen. Sie dienen einzig und allein der Manipulation des Gesprächspartners. Und das hat überhaupt nichts mit der Freiheit von Lehre und Forschung zu tun!

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